Für einmal sitze ich nicht auf einer Terrasse auf Ibiza, Mallorca oder Sardinien. Nein – es ist Menorca.
Ich war vor 25 Jahren mit dem Göttergatten und den Kindern das letzte mal hier und ich fand es mässig toll. Umso gespannter war ich nun, was mich hier nach so langer Zeit erwarten würde.
Sie ist hübsch, die etwas schüchterne Baleareninsel. Es hat bedeutend weniger Action hier, als bei den üblichen Hotspot-Destinationen. Alles scheint etwas dezenter, ruhiger, gelassener und kleiner. Die Insel ist fast so wie ein Dornröschen, das gerne im Schlaf gelassen werden möchte.
Zwar haben wir ein wunderschönes Hotel direkt am Meer gefunden, welches mit den Hotspots der grossen Destinationen mithalten kann. Aber es wirkt alles sehr schüchtern und zurückhaltend. Das hat einen besonderen Charme. Die mühsamen und lauten Touristen, die bei den anderen Destinationen das Buffet stürmen und einen Saustall hinterlassen, die sucht man hier vergebens. Zum Glück! Und mir scheint, dass die Menorquiner genau selbige auch nicht suchen, weshalb sie den Tourismus nicht grossartig fördern. Die Gastronomie hat allerdings so ihre liebe Mühe, während der Hochsaison die Menschen alle zu bewirtschaften, die sich hier tummeln. Deshalb haben sie die Reservations-Slots eingeführt. Man muss innerhalb von zwei Stunden den Tisch wieder freigeben für die nächsten Gäste. Das scheint inzwischen überall Schule zu machen. Nicht gerade meins …
Bei der Landung in Mahon hatte ich schon Angst, wir seien die einzigen Besucher der Insel. Der Flughafen war praktisch leer. Das sieht aktuell auf den Schwester-Inseln Ibiza und Mallorca ganz anders aus. Am Strand und auf den Märkten wurde ich dann aber eines besseren belehrt. Es hat sie doch, die vielen Menschen. Keine Ahnung, wie die alle hergekommen sind? Vielleicht geschwommen …
Die Behörden von Menorca haben auch vielen Stränden die Bewilligung zur „Bestuhlung“ und „Beschirmung“ nicht gegeben. Das fand ich wiederum nicht so toll – liege ich doch ungern im Sand und lasse mich panieren.
Dafür gibt es den üblichen Kampf mit den Tüchern und den Liegestühlen nicht, die auf den beiden Schwester-Inseln jeden Morgen toben.
Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. Und ich werde auch die beiden anderen Baleareninseln in diesem Jahr noch besuchen. Jede hat ihren Charme und ihre Besonderheiten. Und eines haben sie aktuell ALLE: Eine saumässige Hitze!
… und die Frage nach dem, was wirklich zählt.
Kürzlich hatte ich einen dieser seltenen Momente, die einen mitten im Alltag innehalten lassen. Ein Schwalbenschwanz-Schmetterling setzte sich für einen Moment auf meine Schulter.
Für viele ist es einfach ein schönes Foto. Für mich war es eine Erinnerung an die großen Dualitäten, die uns im Berufs- und Privatleben jeden Tag begleiten:
Zeit vs. Geld
Wir tauschen oft das eine gegen das andere ein. Aber während man Geld wieder verdienen kann, ist verlorene Zeit unwiederbringlich weg. In wen oder was investieren wir unsere wertvollsten Stunden?
Karriere vs. Sein
Höchstleistung im Job funktioniert nur, wenn wir uns auch die Räume für Stille und Regeneration erlauben. Wenn wir uns Zeit mit lieben Menschen nehmen. Ein Schmetterling fliegt nicht permanent – er muss sich setzen, um Kraft zu tanken. Gönnen wir uns selbst diese notwendigen Pausen?
Leben vs. Tod und Vergänglichkeit
Der Schmetterling ist das ultimative Symbol für Transformation. Er lebt oft nur wenige Wochen, strahlt in dieser kurzen Zeit aber eine unglaubliche Leichtigkeit aus. Es erinnert uns daran, dass unsere Alltagswelt vergänglich ist. Was am Ende bleibt, ist nicht die Bucketlist, die erfolgreich abgearbeitet wurde, sondern wie wir uns gefühlt und was wir bewirkt haben. Was wir an schönen Erinnerungen schaffen ist doch letztlich der Schlüssel für ein erfülltes Leben.
Manchmal braucht es erst ein Zeichen auf der Schulter, um uns den Spiegel vorzuhalten und die Prioritäten geradezurücken.
Ich habe mit dem Tod meines Mannes definitiv gelernt, dass das Leben kein Wettkampf ist und dass es die vermeintlich kleinen Dinge sind, die einen reich machen.
Familie.
Freunde.
Liebe.
Seelenfutter.
Heute vor 35 Jahren sind wir bei strömendem Regen aus dem Standesamt gekommen. Wir haben JA zueinander gesagt – für ein Leben lang! Ich war traurig über das Wetter und hatte Angst, dass auch unsere grosse Trauung zwei Tage später ins Regenwasser fallen würde. Du hast stoisch gemeint: „Keine Angst, die Sonne wird scheinen.“
Nun, Du hattest recht. Wir haben bei strahlendem Sonnenschein geheiratet und haben all unsere Pläne verwirklichen können, die wir uns vorgestellt hatten:
– Hausbau
– Zwei gesunde Kinder
– Studium
– Reisen
– Katzen
– Hund
– …
– …
… einfach alles, was für uns zu einer gesunden und schönen Familienwelt gehört. Und unser Plan war es, dies alles gemeinsam zu tun, bis dass der Tod uns scheidet.
Ja, der Plan ist aufgegangen – bis eben Dein Tod uns geschieden hat. Der gemeinsame Weg bis ans Lebensende ist für Dich aufgegangen – für mich nicht. Ich musste Dich ziehen lassen und kann es noch heute manchmal einfach nicht fassen, dass Du nie mehr hier sein wirst. Seit 1 1/2 Jahren bist Du nicht mehr da und das neue „Normal“ hat sich so langsam manifestiert. Und doch gibt es Tage – wie eben der Hochzeitstag – an welchen sich dieses neue Normal total falsch anfühlt. Du fehlst! Jeden Tag sprechen wir über Dich, jeden Tag lachen wir über Deine Witze, jeden Tag bist Du präsent und unvergessen. Und auch wenn ich mich im neuen Leben gut zurechtfinde, so wird diese Lücke immer bleiben.
Eines muss ich Dir aber hoch zur Venus schicken: Ein DANKE für unsere wunderbaren Kinder! Sie sind mein ganzer Stolz – und die beiden Enkel, die notabene immer wieder vom Gropi erzählen, sind wunderbare Wesen.
Und die Tatsache, dass Du mir wieder jemanden geschickt hast, der mich durch die Höhen und Tiefen des neuen Lebens begleitet, ist mehr als GROSSARTIG von Dir.
Ich hoffe, auf der Venus hat es einen Zapfhahnen, damit Du mit einem kühlen Bier auf unseren Tag anstossen kannst. Freunde hast Du ja so einige da oben.
Ich schaue hoch und proste Dir zu (wie immer mit meiner Cola Zero) – für immer, Mick!
Dani
Hirn – Herz – Humor.
Mit diesen Werten hat uns unsere wunderbare Mama uns erzogen. Auf dem Bild ist sie übrigens in ihrer vollen Jugendblüte.
Heute wird sie 80 Jahre alt. Unfassbar!!!! Wo ist die Zeit hin?
Sie ist nicht nur seit 80 Jahren auf dieser Welt, nein.
–> Sie ist auch seit 60 Jahren verheiratet.
–> Sie ist seit 59 Jahren Mutter.
–> Sie ist seit 33 Jahren Grossmutter.
–> Sie ist seit 7 Jahren Urgrossmutter.
All diese Funktionen vereint sie unter einem Dach, als ob es ein Spaziergang wäre. Vielleicht ist es genau wegen ihrer regelmässigen Spaziergänge – oder eher Marscheinheiten – dass sie so munter unterwegs ist. Mit eiserner Disziplin marschiert sie täglich mindestens zweimal im Stechschritt durchs Dorf. Der Beweis: An regelmässiger Bewegung muss etwas Gutes dran sein. Auch wenn sie in letzter Zeit den Hang zum Fliegen perfektioniert: Sie macht Pirouetten und Sturzflüge mit unsanften Landungen – manchmal etwas mehr Bruchpilotin als Kunstpilotin.
Ihre Sätze beginnen meist mit: „Ich muss noch schnell ….!“
Langsam scheint nur für „alte Menschen“ zu sein. Zu diesen zählt sie sich nicht.
Und sie rastet nie. Wer rastet, rostet! Das ist nach wie vor ihr Credo. Bei ihr muss immer alles flott gehen und ihre Agenda ist randvoll mit Terminen. Wie gut, dass auch mein Vater extrem hyperaktiv ist – die beiden wären sonst ziemlich unausgeglichen unterwegs.
Sie kocht wie Gott in Frankreich – ich habs leider nicht geerbt.
Sie bäckt wie keine zweite – ich habs leider nicht geerbt.
Sie näht mit verbundenen Augen – ich habs leider nicht geerbt.
Sie hat ein Zahlenhirn – ich habs leider nicht geerbt.
Sie hat einen unendlichen Gerechtigkeitssinn – DEN HAB ICH GEERBT!
Wenn Mama für die Familie kocht, dann gibt es genug, dass man das ganze Quartier dazu einladen könnte. Beim Nachtisch ist es nicht einfach EIN Kuchen oder EINE Frucht. Es sind immer ganze Auswahlen, die uns serviert werden.
Ich bewundere ihren Biss, ihre Disziplin, ihre Kraft und ihr Gemüt. Und ich wünsche mir von Herzen, dass ich noch viele Jahre mit ihr verbringen kann. Sie ist der Mutterplanet in der Familie, um den sich all kleinen Sterne drehen. Und sie macht das mit soviel Herzblut, wie es eben nur eine Vollblutmama kann.
Happy birthday Mam – ich wünsche Dir alles, was Du Dir wünschst und danke Dir für alles, was Du immer für uns tust.
Du bist die Beste!
Seit 12 Jahren betreibe ich diesen Blog hier. Über 1500 Geschichten sind seither geboren worden. Viele haben den Blog ab Tag eins begleitet, aber noch viel mehr Menschen sind im Laufe der Zeit dazugekommen. Und in letzter Zeit werde ich des öfteren mal gefragt: „Wo kommt eigentlich der Name MODEPRALINE her?“
Nun, der Name stammt aus einer Zeit, in welcher meine Prioritäten noch völlig anders lagen und mein Leben noch ein anderes war. Ich hatte mir nämlich damals den Traum vom eigenen Modegeschäft in Solothurn verwirklicht und war schon acht Jahre in der Fashionszene beruflich tagtäglich unterwegs. Und ich habe dafür soviel Energie gebraucht, dass ich mich mit Schokolade über Wasser gehalten habe. Nervenfutter, wie ich zu sagen pflegte. Aus diesem Grund hat damals mein Tochterkind mir den Namen Modepraline verpasst. Und so wurde auch der Blog getauft. Dass ich zwei Jahre nach der Geburt meines Blogs meine Geschäfte schliessen würde, hatte ich damals natürlich nicht auf dem Schirm. Aber 10 Jahre an der textilen Kampffront waren letztlich genug für mein Nervenkostüm. Soviel Schokolade hätte gar nicht produziert werden können, wie ich gebraucht hätte, um nicht zur Mörderin zu werden.
Wenn ich heute zurückschaue weiss ich, dass es einen guten Grund hatte, dass ich im Frühling 2016 die Türen meiner Geschäfter geschlossen habe. Fünf Monate später kam nämlich die vernichtende Krebsdiagnose bei meinem Göttergatten und meine Energie musste komplett in eine neue Dimension steuern. Ich war froh, keine geschäftliche Verantwortung mehr im Nacken zu haben. Es ist also alles zum richtigen Zeitpunkt geschehen.
Heute ist der Name MODEPRALINE eigentlich nicht mehr passend – obwohl ich nach wie vor eine Fashionista bin und gerne Schokolade esse. Aber mein Leben hat doch einiges mehr an Tiefgang bekommen und ich würde mich selber nicht mehr als Modepraline bezeichnen. Allerdings haben wir bei der Diskussion, ob wir einen Namenswechsel vollziehen sollten gemerkt, dass sich die Modepraline zu einem festen Begriff in der Blogszene entwickelt hat. Deshalb habe ich mich entschieden, den Namen so zu belassen.
Betrachte ich aber die Bilder der Fashionzeit in Solothurn heute, so fühlt es sich an, also ob ich als Zuschauerin in ein fremdes Leben blicken würde. Surreal, schräg und etwas befremdlich, diese Bilder von damals. Und ich habe nahezu alles vergessen, was ich in dieser Zeit offenbar erlebt habe. Das Leben danach hat gelöscht, wofür meine Festplatte keinen Platz mehr hatte.
Wenn ich den Schriftzug auf dem Bild aber betrachte, so würde ich etwas wieder genauso machen: Mein Tochterkind würde ich wieder Cristina taufen. Nach wie vor einer der schönsten Frauennamen, wie ich finde.